Ziele erreichen: 5 wissenschaftlich fundierte und alltagstaugliche Schritte | Extra Rückenwind zum Jahresstart
Wir alle kennen das: Der Jahreswechsel steht vor der Tür oder ein neuer Lebensabschnitt beginnt, und wir fassen motiviert Vorsätze. Wir wollen mehr Sport treiben, ein Buch schreiben oder eine neue Fähigkeit erlernen. Doch oft verpufft diese anfängliche Energie, und nach wenigen Wochen sind die Ziele vergessen und der Alltag hat uns wieder fest im Griff. Frustration macht sich breit, und wir fragen uns, warum es so schwer ist, dranzubleiben.
Die gute Nachricht ist: Das Problem liegt selten am mangelnden Willen, sondern an der fehlenden Strategie. Es gibt fünf überraschend einfache, aber evidenzbasierte Methoden, mit denen du die Karten zu deinen Gunsten mischen kannst. Diese Techniken sind sofort umsetzbare, einfache Gewinne, die deine Erfolgsaussichten drastisch erhöhen und dich befähigen, die Lücke zwischen reiner Absicht und tatsächlichem Erfolg zu überbrücken.

Strategie 1: Schreibe deine Ziele auf: Der 42%-Vorteil
Der erste und vielleicht wichtigste Schritt ist verblüffend einfach: Schreibe deine Ziele auf. Viele halten dies für eine Binsenweisheit, doch die psychologische Wirkung ist enorm.
Der Erfolgscoach Jim Rohn lernte diese Lektion auf die harte Tour. Mit 25 Jahren war er pleite, bis er den Geschäftsmagnaten Mr. Shoaff als Mentor gewann. Bei einem Frühstück fragte Shoaff ihn nach seiner Zielliste. Als Rohn zugab, keine zu haben, sagte sein Mentor, er könne seinen Kontostand auf wenige hundert Dollar genau schätzen. Und das tat er auch. Auf Rohns erstaunte Frage, ob eine einfache Liste daran etwas ändern würde, antwortete Shoaff nur: „Drastisch.“ Von diesem Tag an wurde Rohn zu einem Verfechter des Aufschreibens von Zielen.
Diese Anekdote ist mehr als nur eine inspirierende Geschichte – sie illustriert ein Prinzip, das die Wissenschaft inzwischen klar belegt hat. Eine Studie der Dominican University hat genau diesen Effekt untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Personen, die ihre Ziele aufschreiben, haben eine um 42 % höhere Wahrscheinlichkeit, diese auch zu erreichen. Das ist ein gewaltiger Vorteil, den man sich sichern kann, indem man sich wenige Minuten Zeit nimmt, um seine Ambitionen zu Papier zu bringen.

Praktische Umsetzung:
Diese Strategie in die Praxis umzusetzen, ist ziemlich einfach:
- Das Format ist unwichtig: Du kannst deine Ziele in einem Google-Dokument, in einem schönen Notizbuch oder auf einem einfachen Blatt Papier festhalten. Entscheidend ist nur, dass sie in einer physischen oder digitalen Form existieren.
- Fokussierte Ziele: Statt Jahreszielen sind dreimonatige Ziele oft wirksamer, weil sie überschaubarer sind und du leichter den Fokus halten kannst. Du kannst sie als „Quartalsaufgaben“ bezeichnen. Um die Wirksamkeit zu maximieren, versuch dich gleichzeitig auf nicht mehr als drei oder vier Ziele zu konzentrieren.
Ziele aufzuschreiben ist ein entscheidender erster Schritt. Sie im Kopf lebendig und als Priorität präsent zu halten, ist dann die Grundlage für die nächste Phase.
Strategie 2: Aktiviere deinen mentalen Filter: Schau dir deine Ziele regelmäßig an
Viele Menschen machen einen von drei Fehlern bei der Zielsetzung. Fehler Nummer eins: Sie setzen gar keine Ziele. Fehler Nummer zwei: Sie setzen zwar Ziele, schreiben sie aber nicht auf. Den dritten Fehler begehen jedoch die meisten: Sie schreiben ihre Ziele zu Jahresbeginn auf und schauen sie dann nie wieder an. Die folgende Strategie löst genau dieses Problem.
In unserem Gehirn gibt es ein faszinierendes System namens Retikuläres Aktivierungssystem (RAS). Man kann es sich als einen mentalen Türsteher vorstellen, der entscheidet, welche Informationen aus der täglichen Reizflut zu unserem Bewusstsein vordringen.
Die Funktionsweise des RAS lässt sich gut mit einer Analogie erklären: Stell dir vor, du beschließt, einen Fiat 500 zu kaufen. Plötzlich wirst du dieses Automodell überall auf der Straße sehen. Das liegt nicht daran, dass über Nacht mehr Fiat 500 verkauft wurden, sondern daran, dass dein RAS nun darauf „programmiert“ ist, dieses spezifische Auto zu erkennen, weil es für dein aktuelles Ziel relevant ist.
Genau diesen Mechanismus können wir nutzen. Indem du deine aufgeschriebenen Ziele täglich oder wöchentlich bewusst ansiehst, trainierst du dein RAS darauf, relevante Gelegenheiten, Informationen und Ressourcen in deinem Umfeld zu erkennen, die dich deinen Zielen näherbringen.
Praktische Umsetzung:
Diese Strategie kannst du ganz leicht in deine täglichen und wöchentlichen Routinen integrieren:

Wenn du dir deine Ziele regelmäßig in Erinnerung rufst, ergibt sich als nächster logischer Schritt das Bedürfnis zu wissen, wie weit du auf dem Weg dorthin schon gekommen bist.
Strategie 3: Miss deinen Fortschritt: Was du misst, wird gemanagt
Die dritte Strategie ist die regelmäßige Überprüfung deines Fortschritts. Ohne ein klares Bild davon, wo du stehst, ist es unmöglich, den Kurs zu korrigieren oder motiviert zu bleiben.
Eine umfassende Meta-Analyse von 138 Studien mit fast 20.000 Teilnehmern kam zu einem klaren Schluss: Die Überwachung des eigenen Fortschritts verbessert die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung signifikant. Wenn wir sehen, dass wir vorankommen, schüttet unser Gehirn Belohnungsstoffe aus und wir bleiben am Ball.
Praktische Umsetzung:
Um Fortschritte zu verfolgen, brauchst du keine komplexen Systeme. Hier sind ein paar einfache und wirksame Methoden:

- Metrikbasierte Nachverfolgung: Für Ziele wie „ein Buch schreiben“ legst du messbare Kennzahlen fest, z. B. „Anzahl geschriebener Wörter“. Das macht Fortschritt objektiv, sichtbar und motivierend.
Wenn du Fortschritt trackst, erhöht das deine Erfolgschancen zusätzlich: Du kannst potenzielle Hindernisse frühzeitig erkennen und dich darauf vorbereiten.
Strategie 4: Plane für Hindernisse: Die WOOP-Methode
Die reine Visualisierung des Erfolgs kann paradoxerweise nach hinten losgehen. Studien zeigen, dass Menschen, die zu viel Zeit damit verbringen, sich vorzustellen, ihr Ziel bereits erreicht zu haben, manchmal weniger motiviert sind, die nötige Arbeit zu investieren. Die Psychologin Gabrielle Oettingen hat deshalb das Konzept des „mentalen Kontrastierens“ entwickelt und daraus eine wirksame Methode geformt: WOOP.
WOOP ist ein Akronym und steht für einen vierstufigen Prozess:
- Wish (Wunsch): Was ist dein wichtigstes Ziel?
- Outcome (Ergebnis): Was ist das bestmögliche Ergebnis, wenn du dein Ziel erreichst? Wie fühlt sich das an?
- Obstacle (Hindernis): Was sind die inneren Hindernisse, die dich davon abhalten könnten? Hier geht es um deine Gedanken, Gefühle und Gewohnheiten, z. B. „Ich finde keine Zeit“, „Mir gehen die Ideen aus“ oder „Ich fühle mich demotiviert.“
- Plan (Plan): Was ist dein konkreter Plan, um diese Hindernisse zu überwinden? Formuliere eine Wenn-dann-Regel, z. B. „Wenn ich mich demotiviert fühle, arbeite ich nur 15 Minuten an der Aufgabe.“
Indem du dir nur wenige Minuten nimmst, um potenzielle Hürden zu identifizieren und einen Plan für deren Überwindung zu schmieden, bist du mental vorbereitet und lässt dich von Rückschlägen nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen.
Strategie 5: Verknüpfe deine Ziele mit deiner Identität: Sei der Mensch, der seine Ziele erreicht
Die vielleicht stärkste psychologische Kraft, die wir nutzen können, ist die Verknüpfung unserer Ziele mit unserer Identität. Wir streben danach, konsistent mit unserem Selbstbild zu handeln.
Ein klassisches Experiment zur Wahlbeteiligung illustriert das perfekt: Einer Gruppe von Menschen wurde die Frage gestellt: „Wirst du wählen gehen?“ (eine Handlung). Der anderen Gruppe wurde die Frage gestellt: „Wirst du ein Wähler sein?“ (eine Identität). Die zweite Gruppe wies eine signifikant höhere Wahlbeteiligung auf. Die Frage nach der Identität aktivierte das Bedürfnis, sich entsprechend zu verhalten.
Leon Festinger (Sozialpsychologe; Theorie der kognitiven Dissonanz) fasst das Prinzip so zusammen:
“Menschen sind motiviert, innere Widersprüche zu reduzieren – und wieder „stimmig“ zu werden.”
Praktischer Umsetzungsvorschlag
Überlege, wie du deine Ziele mit deiner Identität verknüpfen kannst. Die folgende Tabelle zeigt einige Beispiele, wie diese Veränderung aussehen kann:

Wenn du die Identität „Autor*in“ annimmst, ist Schreiben nicht länger eine Aufgabe, die im Widerspruch zu dem steht, wer du bist – und dadurch Angst auslöst. Stattdessen wird es zum natürlichsten und stimmigsten Ausdruck deiner Identität. Das ist einer der wirksamsten mentalen Perspektivwechsel, um die Kraft des Impostor-Syndroms zu brechen.
Diese fünf Strategien sind einzeln schon effektiv – doch zusammen erzeugen sie eine starke Synergie auf dem Weg zu deinen Zielen.
Abschluss
In diesem Leitfaden haben wir fünf evidenzbasierte Strategien besprochen, die deine Chancen deutlich erhöhen, deine beruflichen Ziele zu erreichen:

Wenn du dieses Fünf-Schritte-System als Ganzes umsetzt, sind deine Ziele nicht mehr nur Hoffnungen – sie werden zu einem strategischen Plan. Jeder dieser Schritte ist sehr leicht anzuwenden. Diese Strategien zu ignorieren bedeutet, auf dem Weg zu deinen Zielen einen wichtigen Vorteil liegen zu lassen, den du ohne großen Aufwand nutzen könntest.
Integriere diese einfachen, aber wirkungsvollen Strategien noch heute in deine berufliche Entwicklungsreise – und beginne, die Lücke zwischen deinen Absichten und deinen Ergebnissen zu schließen.
